Autorin: Traute Simon (Mutter von Janosch)
Credits, Fotos: Racement, u.a. Christoph Deik

Da wir nun mal völlig dem Rennfieber erlegen sind, haben sich unsere Kids von MTB Bielefeld e.V. (MTBie) am 24.05.2026 auf dem zweiten Rennen des VPACE Kids Cup in Willingen wiedergefunden und es hat sich gezeigt: Mit Recht! …und mit viel Spaß.

Viele teilen bestimmt meine Erfahrung mit anderen ganztägigen Sportveranstaltungen, die
so pünktlich enden, wie ICEs in deutsche Bahnhöfe einrollen: Man fühlt sich im Laufe des
Tages und Abends immer müder und ausgelaugter, für die Siegerehrung hat man am Ende
kaum noch Energie und Freude. Der Grund: Man sitzt permanent auf einer harten Bank in
einer Turnhalle, bei schlechter Luft und isst Kuchen, der auch viel zu lange gewartet hat. Der
fünfte Becher Kaffee hilft auch nicht weiter. Das Geschwisterkind mag den dritten Tonie nicht
mehr hören. Einzelne Sonnenstrahlen, die durch die Lüftungsschlitze blitzen, lassen
draußen einen schönen Tag erahnen. Dies alles, um die fünf Minuten zu erleben, wenn das
eigene Kind endlich drankommt.
Beim ersten Mal VPACE Kids Cup hat mir genau davor gegraut: Muss ich mir da die Beine
in den Bauch stehen und den ganzen Tag warten, während mein Kind mit dem Rad im Wald
verschwindet? Die Realität: Auf der Heimfahrt ist nicht nur mein Kind happy, sondern auch
ich! Das ist das Besondere am VPACE Kids Cup: Hier haben auch die Eltern einen schönen
Tag. Woran das liegt, nachdem ich acht Stunden lang meinem Kind wie ein Agent rauf und
runter beim Fahrradfahren gefolgt bin?
Der Spaß der Kinder wirkt ansteckend

Sie nehmen ihre Aufgabe an und werfen sich mit Begeisterung ins Getümmel, selbst das Warten in der langen Schlange vor dem Start sorgt nicht für Ungeduld oder mürrische Gesichter. Im Gegenteil, ihre Vorfreude, Bereitschaft und Konzentration liegt förmlich in der Luft und beeindruckt uns alle. Hier finden gute Gespräche statt, man lernt andere kennen, die im gleichen Geist unterwegs sind. Willingen ist darüber hinaus ein familienfreundlicher Ort, auch Geschwisterkinder können neben MTB viele Highlights erleben.

Der Aufenthalt in der wunderschönen Natur tut einfach gut

Beim Zurücklegen der Höhenmeter stapfe ich durch ein Blütenmeer aus saftigem roten Klee, dazwischen wilder Frauenmantel, ein Blumenbeet, denke ich, groß wie ein Fußballfeld, gepflanzt von Gott. Der Blick darf schweifen über das weite bewaldete Tal, die Lungen dürfen die frische Luft atmen, die Sonne streichelt die Haut. Während ich mich bewege, bin ich hier nicht nur Zuschauer, sondern mittendrin.
Die perfekte Organisation leitet uns durch den Tag

Ich weiß vorher genau, was uns erwartet, und kann mich auf den Zeitplan verlassen, das entspannt mich: Neuer Ort, gleicher Zeitplan, gleicher Ablauf, gleiche Moderatorin, kenne ich wie eine alte Bekannte, denke ich. Dieser Wiedererkennungswert schafft Vertrauen, was auch die Kinder gut anleitet. Mir gibt es Planungssicherheit, ich weiß bereits vorher, dass wir um 17 Uhr nach Hause aufbrechen können (theoretisch, was wir nicht taten, da das Festivalgelände lockte)
Die hohe Wertschätzung für die Teilnehmenden kommt rüber

Schon beim Anmelden zeigte sich, sie meinen es ernst damit, die Kinder anzusprechen und
für den Sport zu begeistern: Mit in der Begrüßungstüte: hochwertige MTB-Socken als
Begrüßungsgeschenk, man tut hier wirklich viel, dass sich jeder willkommen fühlt
(Diskussionen mit Geschwisterkindern über dieses Geschenk: vorprogrammiert).
Hoher Besuch vor dem Start: Das Idol vieler Kinder nahm sich die Zeit ein paar Worte zu
sprechen. Marc Diekmann, erfolgreicher MTB-Youtuber, kommt äußerst sympathisch rüber
und legte uns Eltern ans Herz, die Kinder einfach mal machen zu lassen. Danach stand er
für Fotos und Unterschriften zur Verfügung. Ein absolutes Highlight für unsere Kids. Mit einem weiteren MTB-Promi auf dem Festivalgelände gab es für die Kinder auch nach dem Rennen eine große Freude: Elias Schwärzler. So wird der Sport nahbar und greifbar, die Community steht zusammen.

Die Siegerehrung wurde mit ausgelassener Stimmung, guter Musik und ganz vielen Kindern auf der Bühne mitten auf dem Festival Gelände gefeiert, jeder bekam eine Medaille und wurde ausdrücklich wertgeschätzt.
Ablesbar sind diese ganzen Pluspunkte auch am hohen Zulauf. Es befanden sich 210 Personen auf der Warteliste, 50 Kindern musste schweren Herzens abgesagt werden. Es gab also noch nie ein so großes Starterfeld wie diesmal.

Wie lief es nun für unsere Kids vom MTBie in diesem konkurrenzstarken Rennen? Trotz technischer Probleme im ersten Lauf fuhr Milo Bednarek auf das Podium und erreichte den stolzen zweiten Platz in der Kategorie Boys. Milo stürzte sich wirklich mit vollem Selbstbewusstsein, ausgefeilter Fahrtechnik und Karacho in das Rennen, was die umstehenden Erwachsenen sichtlich beeindruckte, uns auch! Die erstaunten und beeindruckten Rufe der Zuschauer ertönten noch, als Milo schon längst hinter der nächsten Kurve verschwunden war. Der zweite Platz war hochverdient!


Auch die Rennen von Moritz Rasokat, Nicolas Samson (beide Maxi Boys) und Janosch Simon (Boys) waren sehr sehenswert und wir sind stolz auf die Leistung unserer Jugend des MTBie.

Was mich neben der ganzen Freude über diese gelungene Veranstaltung gleichzeitig
nachdenklich stimmt: Wie wird sich wohl das geplante Landeswaldgesetz auf
Veranstaltungen wie diese, auf unseren geliebten MTB-Sport auswirken, sollte es in der
angekündigten Form umgesetzt werden?
Es sieht nämlich vor, für Fahrradfahrer in der gesamten Waldfläche in ganz NRW nur noch
Fahrwege, also Wege, die ein Auto befahren kann, zu erlauben: spielerisches Erkunden des
Waldes mit dem Rad Fehlanzeige, es drohen hohe Bußgelder.
Trails sollen nur in Eigenregie in Absprache mit Waldbesitzern möglich sein. Diese legalen
Trails finden sich, trotz vieler Bemühungen der aktiven MTB Sportler, in NRW im Wald
ungefähr so häufig wie Koala-Bären.
Als ich mit einem Vater beim Warten in der Schlange vor dem Start darauf zu sprechen kam,
sagte dieser, dass sie an der holländischen Grenze wohnten und nur auf der
niederländischen Seite gebe es legale Trails. Auf der deutschen Seite gebe es keine
erlaubten Trails. Sie würden zum Training immer ausreisen.
Waren es, wie überall derzeit in den Medien zu lesen, nicht die Niederlande, die gerade erst
in einer kürzlich veröffentlichten UNICEF Studie zur Lebenszufriedenheit der Kinder den
ersten Platz erreichten? Deutschland erreichte den 25. Platz (von 37 Ländern)
In der Tagesschau wird nach Erklärungen gesucht, was genau läuft in den Niederlanden
anders: "’Wir lassen die Kinder erst mal Kinder sein’, sagen viele Eltern in den Niederlanden -
und dazu gehört nicht nur, viel zu spielen und bei Wind und Wetter draußen zu sein, sondern
auch ein bewusster Erziehungsansatz. Fachleute verweisen darauf, dass in den
Niederlanden schon früh die Stichworte Freiheit, eigene Erfahrung und Selbstständigkeit
eine besondere Rolle spielen". Auch das Fahrrad nimmt laut Bericht dort eine
Schlüsselposition ein. Hier lande ich gedanklich wieder bei den legalen Trails, die man in
NRW suchen kann wie Koala-Bären. Muss man tatsächlich in die Niederlande ausreisen?
Sollte dieses Gesetz so kommen, wie es die Regierung in NRW plant, würde dieser
Missstand weiter ausgebaut werden, nämlich die Bedürfnisse der nächsten Generation völlig
zu missachten.
Wie Marc Diekmann sagte, lasst die Kinder einfach mal machen: Lasst sie den Wald
spielerisch auf ihren Bikes erkunden, lasst sie selbst ihre Kraft und Geschicklichkeit schulen,
lasst sie durch Versuch und Irrtum klug werden und nehmt ihnen nicht den Lebensraum
dafür. Ein Kind, das seine Fähigkeiten kennt, wird selbstbewusst sein, ein Kind, das den
Wald kennt, wird ihn später erhalten wollen.
