Pilgerreise nach Farchant zum VPACE Kids Cup

Autorin: Traute Simon (Mutter von Janosch)
Fotos: Copyright Kim Oppermann

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Wo geht's hier nach Farchant?! Ist das ein Ort in der Bretagne, mit gleichnamigem edlen Käse? Oder einer, den man eigentlich nur in Schweizerdeutsch so richtig gut aussprechen kann? Oder doch ein verschlafenes Bergdorf im hinteren Winkel von Österreich?

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Das Schöne am MTB-Sport ist die Verbindung mit der Natur. Man verbringt den ganzen Tag draußen, in diesem Fall im malerischen bayerischen Dorf Farchant vor dem beeindruckenden Bergpanorama der Zugspitze.
Wir haben es wirklich genossen, als der Wettbewerb die jungen Fahrer des MTB Bielefeld e.V. bei bestem Aprilwetter am 18.Juli 2026 durch bayerische Kuhweiden führte. Die Kühe selbst waren gerade nicht auf der Weide, stattdessen hat der kleine Verein TSV Farchant e.V. eine Rennstrecke im wahrsten Sinne des Wortes darauf “gezimmert”.

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Die Holzelemente waren beeindruckend windschnittig geschreinert und ideenreich, die Strecke schlängelte sich in unzähligen Serpentinen den Berg entlang, wie die Schlange Ka aus dem Dschungelbuch, die sich den Kopf gestoßen hatte. Eine ungewöhnliche Streckenführung flatterte einem da in orangem Absperrband entgegen.

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Während ich den scheinbar unendlich langen und steilen Hang hochstapfte und das Fahrrad meines Sohnes zum wiederholten Male schob, sah ich neben den Kuhfladen, die ich umrundete, überall Siberdisteln im Gras wachsen, ich wusste somit, ich war in den Bergen. Das merkte ich auch an der Anstrengung, die ich empfand, als ich Höhenmeter um Höhenmeter zurücklegte, während ich neben mir einen älteren Herrn mit Stock und Trachtenhut locker den Berg hinaufspazieren sah. Klarer Heimvorteil, dachte ich mir. Beim Aufstellen an der Strecke plötzlich ein angenehmer Duft, wir standen in einem Feld aus wilder Pfefferminze.

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Immer wieder bemerkenswert, wie die stoische Ruhe, innere Sammlung und Konzentriertheit förmlich in der Luft lag, bei einem Pulk von 130 Kindern vor dem Start.

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Der Streckenverlauf zu Beginn in engen Serpentinen verlangte von den Fahrerinnen und Fahrern intensives Lenken und in die Pedale treten, um auf den kurzen Geraden Geschwindigkeit zu gewinnen - sehr ungewohnt!

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Die Wetterkapriolen, starker Regen, schwüle Hitze, Donner, Hagel und stets bedrohliche schwarze Wolken, die hinter dem Berg hervorquollen, sorgten für einen strapazierten Zeitplan und eine sehr rutschige Rennstrecke und daraufhin für viele Stürze. Oder besser gesagt ein Dahingleiten bei den ehrgeizigen Top 10: Neben ihrem Fahrrad war ihnen nämlich auf der rutschigen Fahrbahn teils leider auch ihr Platz auf dem Podium entglitten.

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Das ist aber auch das Spannende am VPACE Kids Cup, dass die lokalen Bedingungen und neuen Herausforderungen an unterschiedlichen Locations quer durchs Land und noch über die Landesgrenzen hinaus andere Anforderungen stellen und sie so die Ergebnisse nochmal durchwürfeln können. Auch wenn das für viele Favoriten eine große Enttäuschung bedeutete, es wird dadurch einfach nicht langweilig.

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Wie lief es nun für die jungen Sportler des MTB Bielefeld e.V.? Milo Bednarek (Kategorie Boys) rutschte im wahrsten Sinne des Wortes auf den sechsten Platz. In der Gesamtwertung belegt er derzeit trotzdem in seiner Gruppe den zweiten Platz, was ausdrückt, wie gut seine Leistungen bisher waren und was auch verständlich macht, wenn er mit dem heutigen Ergebnis hadert. Nicolas Samson war Milo mit dem siebten Platz auf den ersten Blick auf den Fersen, jedoch trat er in der Kategorie Maxi Boys nicht in direkter Konkurrenz an.

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Janosch Simon (Boys) bildete von den drei Kids des MTBie das Schlusslicht, ganz ohne Rutschen, aber mit viel Spaß!

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Bei 130 Teilnehmenden sind von drei angereisten Bielefeldern zwei in die Top 10 gekommen. Dieser Schnitt kann sich für unseren Verein sehen lassen, wo doch in diesem Einzugsgebiet die Konkurrenz von Kindesbeinen an bestens vorbereitet ist. Darüber hinaus zieht der VPACE Kids Cup auch international Fahrerinnen und Fahrer an, diesmal waren acht verschiedene Nationen am Start.

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Besonders die Leistung von Nicolas Samson sticht heraus, da er sich im Ranking erstmals weit nach vorne gearbeitet hat. Das wöchentliche akribische Training beim MTB Bielefeld e.V. sowie das ausgiebige Fahren für Spaß in der Freizeit schulen Koordination und Kraft, so dass sich bei so viel Eifer und Freude am Sport mit der Zeit wohlverdiente Erfolge einstellen mussten. Man konnte dabei zusehen, wie das junge Talent über Jahre seiner Vision folgte und seine Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt hat.

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Verblüffend, wie ein Kind so genau weiß, was es will. Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit, und die Gabe vorauszuschauen, lassen sich hier ablesen. Nicht zuletzt sei die große elterliche sportliche Fürsorge erwähnt, die die Grundlage dafür bildet. Sie haben ein auffallend hohes Zutrauen in ihr neunjähriges Kind, was seine Selbstständigkeit und seine Entwicklung enorm fördert.

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Was wäre die Alternative? Ich kann in meiner Lebensgestaltung auch einen vermeintlich sicheren Weg wählen, indem ich in meinen eigenen vier Wänden konsumiere, was andere mir auf medialem Weg anbieten. Oder ich kann mich selbst auf den Weg machen, meine Selbstwirksamkeit erfahren und vielleicht scheitern. Ich kann z.B. beim Mountainbikesport mit Hagel und Regenschauern umgehen lernen und damit, dass ich möglicherweise wegrutschen werde. Es spricht aber auch von Selbstbewusstsein und einem Zutrauen in sich selbst, die Gefahr eines “fails” einzugehen. Diese mutige Haltung, sich Herausforderungen zu stellen und vielleicht zu scheitern, wird diese jungen Wettkämpfer charakterlich schulen.

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Schließlich vollzog sich das MTB Fest mit Bratwurst und Käse, während “Anton aus Tirol” über das Tal schallte. Bei der Siegerehrung drohte der Himmel mit neuen Überraschungen. So endete dieser Renntag, ein wunderschönes Gesamtkunstwerk, zu dem jeder einzelne Teilnehmende beitrug, so wie der Regenschauer den Gebirgsbach plätschern ließ, der Sonnenschein die Silberdistel blühen und der Hagel die Pfefferminze duften.

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Und wir wurden auf unserer Rückfahrt tatsächlich nochmal vom Wetter überrascht: Ein Regenbogen spannte sich über die liebliche bayerische Landschaft und wir sagen leise…Servus

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